Statement zu einer Skulptur-Standard 18.06
Es ist verkehrt Rektor Bast “Feigheit” zu unterstellten. Heutzutage gehört geradezu Mut dazu, über eine Hakenkreuz-Darstellung schockiert zu sein und die Entfernung des Objekts zu veranlassen. Es gibt zweierlei Schockiertheit – die über eine Peinlichkeit, die man aus gesellschaftlichen Rücksichten gleich aus der Welt oder der Aufmerksamkeit haben möchte, und die ehrliche Schockiertheit über etwas unerwartet Feindliches, Befremdendes. Letztere im Namen der “Freiheit der Kunst” abtun zu wollen, würde gerade der Kunst keinen guten Dienst erweisen.
Heute muß man mit dem Dichter sagen (des “Faust”):
“Nun ist die Luft von solchem Spuk so voll, daß miemand weiß, was daraus werden soll.”
Daher, wir befinden uns in zunehmend verworrener Lage, die es auch der Künstlerin, dem Künstler zu Aufgabe macht, kritisch zu unterscheiden, statt im abgrundtiefen Brei von Ressentiments, religiösen Vorstellungen, alten und neuen Symbolen irgendwie herumzuwühlen. Es geht nicht darum, ob ein Hakenkreuz in einem Kunstwerk vorkommen darf oder nicht, es geht um die Differenzierung, in die es hineingezogen wird. Da die am Oskar-Kokoschka-Platz aufgestellte Skulptur eine sich ganz aufs Emblematische zusammenziehende Arbeit ist, wird sie zur Projektionsfläche aller denkbaren Mißdeutungen.
Abgesehen ist nicht zu glauben, daß die Kunst der Gegenwart durch Hakenkreuz-Darstellungen (außer in der Karikatur und Collage/Montage vielleicht) irgendetwas von Relevanz gewonnen hat, das über die Feststellung hinausgeht, daß die Kunst halt frei ist und daher ‘darf’. (Die Kunst demonstriert also hier ihre Freiheit mit dem Hakenkreuz, dem Symbol der höchsten Unfreiheit.)
“Der abstrakte Wille zur unmittelbaren Wirksamkeit erkennt die Gesetze des herrschenden Denkens, den ausschließlichen Gesichtspunkt der Aktualität an, wenn er sich den Kompromittierungen des Reformismus oder der gemeinsamen Aktion pseudorevolutionärer Trümmerhaufen ergibt. Dadurch hat sich der Wahn in derselben Position wiederhergestellt, die ihn zu bekämpfen beansprucht. Die über das Spektakel hinausgehende Kritik muß viel mehr zu warten wissen.”Guy Debord (“La Societe du Spectacle”)


